Long Shot: Die Ehre des Drachen (2005)
Regie: Prachya Pinkaew
Filmtitel: Der Beschützer (Tom-Yum-Goong / Der Beschützer / Kriegerkönig)
Jahr : 2005
Regie: Prachya Pinkaew
Land: Thailand
Choreografie: Tony Jaa und Panna Rittikrai (Jaas Mentorin)
Kamera: Steadicam, 35 mm
Spezialeffekte: keine Drähte, kein Stuntdouble für Jaa; nur ein CGI-Element in der gesamten Aufnahme (ein zerbrechendes Fenster).
Aufnahmedauer: ca. 4 Minuten (laut einigen Quellen 3 Minuten 55)
Methode: Echte, durchgehende Einzelaufnahme, keine versteckten Schnitte
Anzahl der Verkaufsstellen: 5 bis 8 (Angaben der Quellen variieren)
Vorbereitung: mehr als ein Monat
Wartezeit: ein ganzer Tag zwischen den einzelnen Dosen
Filmbeschränkung: Die Filmrolle endete exakt am Ende der Szene, ohne Rand.
Gegner: ~30 Stuntleute, verteilt auf 4 Etagen
Drehort: Sydney, Australien (Tom-Yum-Goong Restaurant/Nachtclub als Kulisse nachgebaut)
Filmbudget: 300 Millionen Baht (damals ca. 7,5 Millionen US-Dollar, zweitgrößtes Budget in der Geschichte des thailändischen Kinos)
Ein vierstöckiges Restaurant in Sydney. Kham (Tony Jaa) sucht seinen gestohlenen Elefanten. Er weiß, dass das Tier irgendwo im Obergeschoss ist. Er betritt das Erdgeschoss. Und vier Minuten lang steigt er die Treppe hinauf. Jede Etage ist eine neue Welle von Gegnern: bewaffnete Männer, Bodyguards, Typen, die wie aus dem Nichts auftauchen. Jaa setzt alles ein, was das Muay Thai zu bieten hat: Knie, Ellbogen, Drehkicks, Würfe. Er schleudert mehrere über das Geländer – ein Sturz aus dem vierten Stock. Die Steadicam folgt ihm die Wendeltreppe hinauf, steigt mit ihm auf, umkreist ihn im Kampf, weicht zurück, wenn er angreift, und fährt vor, wenn er einen Mann in die Tiefe stürzt. Keine Schnitte. Keine Bearbeitung. Kein Trick. Als Jaa die oberste Etage erreicht, ist er erschöpft, und das sieht man ihm an. Das ist nicht fair. Dieser Mann hat gerade vier Minuten ohne Pause gekämpft, vier Stockwerke erklommen, und der Film endet genau in dem Moment, als er seinen letzten Gegner trifft.
Warum diese Szene legendär ist
Die Treppenszene in „The Protector“ ist vielleicht die reinste Kampfszene dieser Sammlung, die in einer einzigen Einstellung gedreht wurde. Reiner als in „Creed“, denn „Creed“ ist ein Boxkampf mit Regeln; hier gibt es keine Regeln. Reiner als in „Old Boy“, denn der Flur in „Old Boy“ ist horizontal; hier klettert Jaa hinauf, wodurch die körperliche Erschöpfung des Aufstiegs zur Kampfhandlung hinzukommt. Und vor allem: Es ist eine wirklich durchgehende Einstellung. Keine versteckten Schnitte. Keine Überblendungen. Keine visuellen Effekte (bis auf ein einzelnes computergeneriertes Fenster, das zerbricht). Die Kamera läuft, Jaa kämpft, und vier Minuten lang wird nicht geschnitten. Wenn ein Stuntman seinen Auftritt verpasst, fangen sie von vorne an. Wenn die Steadicam wackelt, fangen sie von vorne an. Wenn Jaa einen Schlag verfehlt, fangen sie von vorne an, und jeder Neustart kostet einen ganzen Tag Vorbereitungszeit.
Was diese Szene so einprägsam macht, ist ihre Klarheit. Jaa und Rittikrai choreografierten den Kampf so, dass jeder Gegner seinen eigenen kleinen Kampf austrägt: ein Mann mit einem Messer hier, ein Bodyguard hinter einer Tür dort, ein Typ, der plötzlich aus dem toten Winkel auftaucht. Die Steadicam hält Jaa im Zentrum des Bildes und umkreist ihn wie ein Tanzpartner; keine Wackelkamera, kein Chaos. Es ist ein vertikales Ballett, in einem einzigen Atemzug gefilmt.
Wie sie es gefilmt haben
Der erste Steadicam-Operator, der für die Aufnahme engagiert wurde, konnte sie nicht beenden. Die 35-mm-Steadicam-Kamera war zu schwer; der Operator bekam im zweiten Stock keine Luft mehr und gab schließlich auf. Ein thailändischer Kameramann meldete sich freiwillig, bat aber um einen Monat Vorbereitungszeit, um sich körperlich an das Gewicht der Kamera zu gewöhnen. Pinkaew willigte ein. Während dieses Monats nutzte Jaa die Gelegenheit, der Choreografie noch mehr fliegende Kniestöße hinzuzufügen.
Die verrückteste Einschränkung: Die 35-mm-Filmrolle endete exakt mit dem Ende der Einstellung. Es gab buchstäblich keinen Spielraum für Fehler; der Kamera ging der Film Sekunden nach der letzten Aufnahme aus. Jede Einstellung musste millimetergenau getimt sein. Dauerte der Kampf fünf Sekunden zu lange, stoppte der Film vor dem Ende der Szene. War ein Stuntman drei Sekunden zu spät, war der gesamte Zeitplan hinfällig.
Die Szene erforderte laut verschiedenen Quellen zwischen fünf und acht Takes – eine bemerkenswert geringe Zahl für eine so komplexe Aufnahme. Doch jeder misslungene Take kostete einen ganzen Drehtag: Die 30 Stuntmen mussten neu positioniert, die Sicherheitsausrüstung (die Matten unter den Geländern für die Stürze aus dem vierten Stock) neu angebracht, das Set gereinigt und der Film neu geladen werden. Tony Jaa schilderte einen erschreckenden Vorfall: Bei einem Take wollte er gerade einen Stuntman über das Geländer im dritten Stock werfen, als er bemerkte, dass die Sicherheitsmatte nicht richtig positioniert war. Er packte den Stuntman in der Luft, um ihn vor dem Absturz zu bewahren.
Keine Drähte. Keine Stuntdoubles für Jaa. Keine Spezialeffekte (bis auf das Glas). Jaa macht alles selbst, jeden Ellbogenschlag, jeden Kniestoß, jeden Wurf. Wie es auf der offiziellen Website des Films heißt: „Eine einzige, ununterbrochene 4-Minuten-Einstellung, in der er ununterbrochen gegen die Bösewichte kämpft, vom ersten bis zum vierten Stock des Tom-Yum-Goong-Restaurants.“
Worauf man bei der Überprüfung achten sollte
Jaas Erschöpfung (ca. 4. Stock, letzte Minute): Oben angekommen, seht euch seine Schultern, seine Deckung, seine Atmung an. Er ist wirklich völlig erschöpft. Vier Minuten Muay Thai, während er vier Stockwerke hochsteigt – kein Schauspieler der Welt kann so eine Erschöpfung vortäuschen. Es ist dieselbe körperliche Authentizität wie bei Theron in Atomic Blonde oder Hemsworth in Extraction, nur dass Jaa keine versteckte Frisur hat, um nach Luft zu schnappen.
Die Stürze über das Geländer (pro Etage): Jaa wirft mehrere Gegner von den oberen Etagen in den Abgrund. Während der Aufnahme musste das Team die Sicherheitsmatten darunter in Echtzeit anbringen UND entfernen, ohne dabei im Bild zu erscheinen. Bei einer Aufnahme musste Jaa einen Stuntman auffangen, weil die Matte nicht richtig lag.
Der Steadicam-Operator (die gesamte Aufnahme): Dieser Mann trägt eine 35-mm-Kamera an einem Steadicam-Gurtzeug und steigt vier Minuten lang vier Treppenabsätze in einer Wendeltreppe hinauf, während er einen Muay-Thai-Kampf filmt. Der erste Operator gab auf. Der zweite trainierte einen Monat lang, um dies zu schaffen. Er ist der unbesungene Held dieser Aufnahme.
Wussten Sie das?
Tony Jaa begann seine Karriere mit dem Studium der Filme von Jackie Chan, Jet Li und Bruce Lee. Seine eiserne Regel: keine Drähte, keine Stuntdoubles, keine Spezialeffekte für Kampfszenen – eine Philosophie, die er direkt von Chan und Lee übernommen hatte. Die Treppenszene wurde weltweit an Filmhochschulen zum Standardwerk, und der Kampfsportanalyst Jack Slack bezeichnete die Kampfszenen in „Tom Yum Goong“ als „den besten Kampf der Filmgeschichte“.
Diese Szene ist das fehlende Bindeglied zwischen Oldboy (2003) und der gesamten Reihe nachfolgender Kampfszenen. Oldboy bewies, dass ein Kampf in einer einzigen Einstellung gedreht werden kann. The Protector bewies, dass es in einer ECHTEN einzigen Einstellung möglich ist – ohne Schnitte, ohne Spezialeffekte, mit einem einzelnen Mann, der sich vier Stockwerke hochkämpft. Alles, was danach kam – Atomic Blonde (2017), Extraction (2020), Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023)– verwendet versteckte Schnitte und visuelle Effekte, um die Illusion einer einzigen Einstellung zu erzeugen. The Protector braucht keine Illusion. Die Realität genügt.
Quellen
Wikipedia - Tom-Yum-Goong (technischer Abschnitt: Steadicam, begrenzte CGI-Effekte, Beschreibung der Einstellungen)
Fact Fiend – „Die Kampfszene im Film war so lang, dass sie beinahe einen Kameramann das Leben kostete“ (Juni 2022)
Taste of Cinema – „Die 15 besten langen Einstellungen aller Zeiten in der Filmgeschichte“ (Februar 2014)
Variety – Originalrezension (Cannes/Thai-Veröffentlichung, 2005)
Baiduwiki - Tom Yum Goong (technische Analyse: Dauer 3 Min. 45, Auswirkungen des kontinuierlichen Plans)
TomYumGoongMovie.com – archivierte offizielle Website (Planbeschreibung, Budget, Wissenswertes)
KiaiKick - „Rezension: The Protector (2005)“ (Kampfanalyse)
Letterboxd – Nutzerbewertungen (Treppenplanbeschreibungen)
Rotten Tomatoes – The Protector (kritischer Konsens, detaillierte Rezensionen)
Lesen Sie auch
Carry-On (2024) https://www.plan-sequences.com/categories-de-plans-sequences/carry-on – Vorheriger Eintrag in der Sammlung, eine weitere aktuelle Action-Schlacht auf engstem Raum
Hard Boiled (1992) https://www.plan-sequences.com/categories-de-plans-sequences/a-toute-preuve – Nächster Eintrag in der Sammlung: Actionchoreografie aus Hongkong von John Woo und Tony Jaa (vor Tony Jaa).